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    <title>BLOG</title>
    <link>https://www.tanjapolconsulting.com</link>
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    <item>
      <title>Workshop: Artist Statement</title>
      <link>https://www.tanjapolconsulting.com/workshop-artist-statement</link>
      <description>Einige Neuigkeiten: Workshop in der Platform München und Angebot für BBK München Mitglieder.</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Workshop in der PLATFORM und Angebot für BBK München Mitglieder
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Ich freue mich, in der Platform München am 26.Februar 2026 in der Reihe UPDATE wieder einen ganztägigen
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://www.platform-muenchen.de/update/artist-statement-wie-formuliere-ich-ueberzeugend-meine-kuenstlerische-position/" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           Workshop
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            anzubieten!
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Hier mein offizieller Ankündigungstext:
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h1&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Artist Statement – Wie formuliere ich überzeugend meine künstlerische Position?
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h1&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           ARTIST STATEMENT: Macht man das jetzt nicht mit KI? Ja, das ist durchaus eine Option, aber wie geht man das an? Wie sieht ein aussagekräftiges Statement aus? Nur, wenn wir hierfür Kriterien zur Hand haben, können wir beurteilen, ob das, was die KI uns anbietet, brauchbar ist, bzw. ob das Statement, das wir selbst verfassen, dem Adressaten vermittelt, was die eigene künstlerische Position ausmacht. Ein Statement kann auch im Gespräch mit Profis entscheidend sein: Sind Sie vorbereitet, wenn der Galerist oder die Sammlerin Sie fragt „Was machen Sie denn so?“? Dies ist eine mitunter gefürchtete Situation, mit der wir uns befassen werden, sodass Sie es nach dem Seminar kaum erwarten können, dass diese Schlüsselfrage Ihnen endlich gestellt wird. Bringen Sie gern Ihr Statement mit sofern vorhanden!"
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Anmeldung bitte ausschließlich über die Platform.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            In other news: Für Mitglieder des
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://bbk-muc-obb.de/mitglieder/beratung/" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           BBK München und Oberbayern
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            rabattiere ich die Erstberatung mit 10%. Des weiteren biete ich in dieser Kooperation mit dem BBK für seine Mitglieder an, in einem 60-minütigen Telefongespräch 1-2 Themen zu besprechen, zum Sonderpreis von 90 Euro. Bei Interesse an diesem Angebot melden Sie sich gerne per Email unter
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            ﻿
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      
           info at tanjapolconsulting dot com .
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Wed, 01 Oct 2025 11:45:01 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Kristina Bræin (1955-2022)</title>
      <link>https://www.tanjapolconsulting.com/kristina-braein-1955-2022</link>
      <description>Nachruf auf eine bedeutende, unterschätzte norwegische Künstlerin.</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Nachruf auf Kristina Bræin (1955-2022)
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Ich habe letzten Monat (Mai 2024) erfahren, dass die norwegische Künstlerin Kristina Bræin 2022 gestorben ist. Sie war meines Erachtens eine enorm unterschätzte, große Künstlerpersönlichkeit. Man findet online nur einen Nachruf auf norwegisch. Ich habe in meiner Galerie zwei Einzelausstellungen für Kristina ausgerichtet, und dazu Pressetexte verfasst, die auf meiner Galeriewebsite abrufbar waren. Die Website habe ich allerdings letzten Monat, über 5 Jahre nach meiner Geschäftsaufgabe, gelöscht. Ich trage daher hier zusammen, was ich seinerzeit über Kristinas Arbeit zu sagen hatte, und stelle einige persönliche Worte und Erinnerungen voran.
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Kristina war eine freundliche, zurückhaltende, herzliche Person. Sie hatte eine überaus warme Ausstrahlung, lächelte und lachte viel, beim Lachen und Sprechen zeigte sie ein lustiges, aber auch nachdenkliches Blinzeln der Augen. Sie war eine sehr schöne, schlanke, groß gewachsene Frau, die auffiel, sie wirkte jugendlich, sie hatte Spannkraft und eine sehr weibliche Aura. Kristina hat Musik studiert, und dann Kunst gemacht. Sie bevorzugte ephemere Materialien, Fundstücke und sie vermochte aus den banalsten Dingen eine poetische Anordnung zu machen. Ich habe einigen Widerstand in mir verspürt, in der Absicht, ihre Arbeiten verkäuflich zu machen, ihr Aussagen abzuringen über die Kategorien, in denen die Kunstwerke auf lange Sicht zu betrachten wären. Gibt es diesen Holzstab noch, der da an der Wand lehnte vor 10 Jahren? Darf er ersetzt werden? In welchem Winkel muss er stehen? Wie lang genau ist der Klebestreifen hier in der Arbeit? Willst du einen RAL-Ton festlegen für diese Wandmalerei? Ist das ein unique piece? Existiert die Arbeit materialiter oder nur als Konzept? Kann das wiederaufgeführt werden? Was ist, wenn der Schaumstoff vergilbt, was, wenn er zerfällt? Sehr geduldig, manchmal überrascht, oft interessiert hat Kristina all diese Fragen, die ich auch von Sammmlern weitergab, weitergeben mußte, beantwortet. Sie hat ihre Arbeiten situativ entwickelt. Sie waren abhängig von ihrer Geste, ihren Handlungen und ihrer Intuition. Das ist dieser Welt jetzt genommen. Es existieren Werke physisch, andere sind für immer verloren, aber sie sind teilweise dokumentiert in ihrer wunderbaren Monografie. Ich bin sehr dankbar, dass ich so eng mit ihr zusammenarbeiten durfte, dass sie immer eingegangen ist auf meine Versuche, einzelne Werke zu fixieren, um sie an Sammler vermitteln zu können, in einigen Fällen war dies erfolgreich. Ich danke den Käufern, die sich eingelassen haben auf die Offenheit von Kristinas Arbeit. Ich bin dankbar, ein Werk von ihr zu besitzen.
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Erstmalig sah ich Kristinas Position 2008 auf der Manifesta in Bozen, eine stimmige Installation in einer Industriehalle. Ich war überrascht, dass sie schon zu einer älteren Generation gehörte. Ihre Arbeit war jung, und Kristina wirkte viel jünger, als sie war. Ihre Werke waren so zart, so kraftvoll; sehr präsent in ihrer Flüchtigkeit. Sie hatte eine besondere Stärke im Bereich von Farben und Tonalitäten, sie komponierte ihre Anordnungen. Zahlreiche Arbeiten hatten subtilen Humor. Wenn sie beim Ausstellungsaufbau in langen Prozessen das mitgebrachte Material anordnete, ging sie sehr behutsam vor, fragte mich manchmal nach meiner Meinung, arrangierte neu, fügte hinzu, nahm weg, es war ein Verwandlungsprozess, meditativ, kontemplativ. Kristina gehörte definitiv nicht zu den egomanen Künstlern, die im Rahmen einer Galerieausstellung alle und alles ans Limit bringen müssen. Der vorhandene geistige und physische Raum der Galerie, den ich offerierte, war genug, sie griff den vorgefundenen Rahmen meines Kunsthandeluniversums auf, sie mußte keine Grenzen verschieben, den ganzen Laden umkrempeln, meine Limits austesten. Es war harmonisch, eine echte Zusammenarbeit auf Augenhöhe, getragen von gegenseitigem Respekt. Es zeugte von ausgesprochener Eleganz und Würde, wie Kristina in ihren Werken allerdings Grenzen austestete. Ihre Arbeiten waren nicht immer für die Ewigkeit. Ich bin sehr dankbar für die Zusammenarbeit und die Zeit, die wir verbracht und für die sehr schönen Gespräche über Kunst und Ästhetik, die wir über ein Jahrzehnt hinweg geführt haben. Kristina war interessiert an Schönheit, das hatten wir gemeinsam. Sie war eine sehr kluge, nachdenkliche und tiefsinnige Frau. Ruhe in Frieden, Kristina.
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Kristina Bræin hat 2008 (Group), 2011 (Solo &amp;amp; Group), 2015 (Solo) und 2018 (Group) bei Tanja Pol Galerie ausgestellt.
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Aus den von mir verfassten Galerietexten (ich habe sie nachträglich in die Vergangenheit gesetzt, das erscheint mir richtig):
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           In der Ausstellung WHO DECIDED THE GREEN HERE (2011) waren Bilder, Skulpturen, Objekte und installative Eingriffe zu einem Gesamtbild zusammengefügt. Sie war getragen von einer ruhigen, kontemplativen Stimmung, die durch die präzise, aber gleichzeitig zufällig wirkende Anordnung der Dinge im Raum, sowie ihre subtile Farbigkeit und sensible Materialkombination wirkte.
            &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Kristina Bræin verwendete für ihre oft raumgreifenden Installationen Fundstücke und Alltagsgegenstände, die sie mitunter mit Wandmalereien kombinierte. Es entstanden auf diese Weise situative Anordnungen, die mitunter so beiläufig waren, dass man an Überbleibsel von Arbeitssituationen denken könnte. Die genauere Untersuchung der Objekte und Installationen zeigte allerdings gleichzeitig eine Artifizialität, die auf formalen Kriterien beruhte. Kacheln, Sandpapier, Karton, Luftpolsterfolie in Braun- und Rottönen wurden so am Boden plaziert, dass sich ein "Bild" ergibt, an dass sich ein "Wandbild" anschliesst, eine blassgelbe Wandmalerei, die noch die Begrenzung aus Malerkrepp als "Rahmen" hat.
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Zufällige Gesten des Fallenlassens, bewusste Platzierungen neben- und übereinander gleichen sich an in Gebilden, die die Tradition des Minimal und der Konzeptkunst der 60er und 70er Jahre zeitgenössisch weiterführen.
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Der Ausstellungstitel THE WEAVER'S DAUGHTER (2015) hatte eine biografische Referenz: Die Mutter der Künstlerin war Weberin und arbeitete mit besonderem handwerklichen Geschick, das die Künstlerin sehr bewunderte, mit Textilien und Stoffen in verschiedenen Techniken. Bræin war also in der Tat die Tochter einer Weberin, und in der Ausstellung "webte" sie beispielsweise im Raum auf ihre eigene, minimalistische Art und Weise, indem sie Wollfäden in der Architektur mit Fundstücken und Wandzeichnungen aus Klebeband verband.
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Bræin, geboren 1955 in Oslo, stellte 2008 auf der MANIFESTA 7 in Bozen aus, wo sie in der Alumix-Halle eine Installation aus Lampenschirmen, Kacheln und Klebestreifen so anordnete, dass sich ein Ort der Ruhe und Kontemplation ergab, der in spannungsreichem Kontrast stand zu den zahlreichen Medienarbeiten und Installationen in der Umgebung ihrer Arbeit.
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           2003 vertrat sie Norwegen auf der Biennale in Venedig (Nordischer Pavillion).
            &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 23 Jun 2024 17:35:39 GMT</pubDate>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Flohmarkt</title>
      <link>https://www.tanjapolconsulting.com/flohmarkt</link>
      <description>Absolut keine "Prolegomena zu einer Kulturgeschichte des Flohmarkts"</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Vor ein paar Jahren habe ich über meine Gewohnheiten beim Einkaufen nachgedacht und ausprobiert, wie es ist, wenn man über einen längeren Zeitraum nichts Neues kauft. Überlegung war, dass man sehr viele Dinge nicht im engeren Sinne braucht und man das, was man dringend benötigt, in der Regel auch gebraucht kaufen kann. Des weiteren kann man vieles reparieren oder ausleihen. Mir ging es vor allem auch darum, möglichst wenig Müll zu produzieren, obwohl ich schon immer eine Meisterin der Abfallvermeidung war und als Kind in einem Haushalt mit Komposteimer aufwuchs. Mein Spielzeug war oft von den Emmaus-Brüdern, Geld war knapp und die Kriegsgeneration meiner mich miterziehenden Großeltern war naturgemäß sparsam. Man hatte nichts „zu verschenken“.  In meiner Teenagerzeit in den 80ern war ich magisch angezogen von allen Arten von Alternativ-Kultur, somit auch von den Grünen, den Bioläden, autonomen Zentren. Alles, was Öko war hat mich interessiert, und Köln war eine Ökohochburg (Bhagwan!!), und im Kunstbetrieb war man sich über diese Dinge auch einig. Ich bin
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           natural born
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            "nachhaltig"*. Aber ich wollte es doch nochmal richtig wissen, es machten Ende der 10er Jahre plötzlich Zero Waste Läden auf und ich folgte auf Instagram einigen Leuten, die aufdeckten, was bergeweise in der Wüste rumliegt an Zeug, welches wir Westler nicht mehr haben wollen, und andere unverdauliche Fakten. Ich hatte ein schlechtes Gewissen bis zum Anschlag. Wegen was? Ich würde heute sagen: Weil mir suggeriert wurde, dass ich es haben sollte. Ich sollte vielleicht auch erwähnen, das dieses Experiment in der Hochphase der Zeit stattfand, in der man Kinder eingesperrt hat und Schulen geschlossen. Ich kenne niemanden, der in den Jahren nicht demoralisiert wurde.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Nichts Neues kaufen ging dann so: Ich habe auf Ebay Kleinanzeigen Klamotten gekauft, ungetragene Designerschuhe, und alles mögliche, was man sonst im Kaufhaus oder Fachhandel gekauft hätte (oder auf Amazon): einen Wasserkocher, Rührstäbe für meinen Mixer, irgendwann dann einen neuen Mixer, einen ganz bestimmten Mülleimer, der nicht mehr hergestellt wurde und der Plastikfrei war. Bücher gab´s von Medimops oder ZVAB. Was ich neu kaufen musste, habe ich nach langwierigen Recherchen von bestimmten 1000% nachhaltigen Firmen gekauft, Strumpfhosen zum Beispiel. Ich habe Zeug aus Zu-Verschenken-Kisten mitgenommen und auf dem Flohmarkt eingekauft sowie bei dem modernen Äquivalent der Emmaus-Brüder: bei Oxfam und anderen Charity-Shops. Die Nähmaschine meiner Oma wurde reaktiviert und aus alten Klamotten neue Dinge genäht und Sachen repariert, die, wenn man ehrlich ist, reif waren für die Tonne. Ich habe Olivenöl im „Ohne“ Laden in meine mitgebrachte Flasche gefüllt und geduldig auf die nächste Lieferung Basmatireis gewartet, die entweder nie angekommen ist, oder jemand hat den Reis kiloweise weggekauft, bevor ich wiederkam. Neulich war der Laden nicht mehr da.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Mein Fazit aus dieser etwa drei Jahren währenden Phase habe ich dann auf Instagram in einen Jubel-Post gepackt. Ich war wirklich überzeugt. Und völlig vernerdet. Ich brauchte wohl auch diese bestimmte Art von Bestätigung meiner „Community“, dass ich ein guter Mensch bin. Als würde das helfen gegen das obligatorische schlechte Gewissen des modernen Großstadtmenschen. Ein schlechtes Gewissen hat im Übrigen auch noch niemandem geholfen und kein Problem gelöst.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ja, es geht. Man kann so leben. Wenn man endlos Zeit hat, sich gerne schlecht fühlt, sich selbst geringschätzt und nicht gern aus dem Vollen schöpft. Wenn man sehr arm ist. Wenn Selbstdeprivation einem Genugtuung gibt. 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich habe sehr gerne auf Instagram und mit Familie und Freunden geteilt, was für Schätzchen ich gefunden habe auf meinen diversen Baustellen. Ich konnte an keiner FOR FREE Kiste vorbeigehen. Es ist tatsächlich erstaunlich, was man findet, und wieviel Freude etwas auslösen kann, was andere wegwerfen und es euphemistisch „verschenken“ nennen. Downside: Ich kenne mehrere Häuser in meinem Viertel, vor denen täglich Müll „zu verschenken“ ist. Kaputter Ikeascheiss, löchrige Lumpen und zerfledderte Taschenbücher. Bei unseren „Wertstoffcontainern“ ein paar Strassen weiter (ein weiterer Euphemismus, ein Tetrapack ist kein Wertstoff sondern Müll, fällt unter Wish-cycling statt Re-cycling) ist ein Zu-Verschenken-Marktplatz, aber auch eine illegale Sperrmüll-Verklappungsstelle: Die Übergänge sind fließend.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wichtig ist wie immer das Maß. Ich neige zu Extremen. Und das Ganze war deklariert als Experiment, wurde dann allerdings ein Selbstläufer. Von den Erfahrungen aus diesem Experiment habe ich einiges abgeleitet für mich, wovon ich den Eindruck habe, es könnte eine gewisse Allgemeingültigkeit darin liegen. Daher denke ich darüber nach, einige Dinge zu formulieren, die von der Einfachheit handeln. Vom Minimalismus. Aber auch von der Fülle, die im Minimalismus liegt. Mal sehen. Was auf jeden Fall formuliert werden soll, und deshalb heisst der Text verwirrenderweise Flohmarkt, sind ein paar nützliche Regeln zur Vermeidung von Fehlkäufen auf dem Flohmarkt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            * das Wort "nachhaltig" kann ich nur noch in
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           scare quotes
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            benutzen, die Art wie es buchstäblich für jede Ware, jede Verpackung, jede Vermarktung benutzt wird, macht es unbrauchbar.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 17 Mar 2024 16:08:30 GMT</pubDate>
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    <item>
      <title>Weltkindertag</title>
      <link>https://www.tanjapolconsulting.com/weltkindertag</link>
      <description>Meine persönlichen Ideale, was ich glaube, was ich tief empfinde, wofür ich brenne, und wofür ich einstehen will, wenn es um Kinder geht.</description>
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            Weltkindertag, Weltfrauentag, Tag des Bieres, Tag der Arbeit: Ja, man kann das leicht abtun, blöd finden, oder auf intellektuelle oder dämliche Weise über solche Tage sprechen. Darum geht es hier nicht. Ich nehme den heutigen Weltkindertag (20.9., in Thüringen übrigens ein gesetzlicher Feiertag!) zum Anlass, eine gigantische Lanze für Kinder zu brechen. Es ist total absurd, dass das nötig ist. Aber es ist so dringend, es sollte über nichts anderes gesprochen werden. Das meine ich ernst. Und ich habe auch eigentlich gar keine Lust irgendetwas zu begründen, oder zu argumentieren, zu erklären oder zu framen, sondern ab jetzt werde ich in möglichst klaren Sätzen sagen, was ich glaube, was ich tief empfinde, wofür ich brenne, und wofür ich einstehen will, wenn es um Kinder geht. Nein, ich bin keine Pädagogin, keine Wissenschaftlerin, nein. Ich bin Mensch, und Mutter, und ich war auch Kind. Ich behaupte auch, dass untenstehendes größtenteils auf so etwas wie
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           common sense
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           Kinder haben bedingungslos Anspruch auf Liebe, Zuwendung, menschliche Wärme, Respekt und ihre Würde. Bedingungslos.
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           Kinder sind niemals für Erwachsene verantwortlich. Ohne wenn und aber. Es ist umgekehrt, immer: Wir, die Erwachsenen, sind für Kinder verantwortlich, und für uns selber. Wir können das. Es ist das, was mündige Erwachsene ausmacht. Natürlich wachsen Kinder in Verantwortung hinein, vor allem in der Adoleszenz. Aber sie tragen keine Verantwortung für andere, solange sie nicht selbst Erwachsene sind (schon gar nicht für deren Gesundheit).
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           Wir, die Erwachsenen, die Eltern, müssen unsere Interessen und Befindlichkeiten zurückstellen für unsere Kinder. Je kleiner das Kind, desto mehr muss ich mich zurücknehmen und „einschränken“ (und daran wachsen). Das nervt nicht, das ist einfach so. Es ist nicht diskutabel. Und es geht vorbei: This too shall pass. Ja, es dauert Jahre. 18 Jahre, um genau zu sein. Es kommt ein Zeitpunkt, an dem sind die Kinder er-wachsen. Dann kann ich dauerchillen und dauerarbeiten. Und ich kann vorher immer, wenn sie mich gerade nicht brauchen, mich ausruhen, durchhängen, Energie tanken, was für mich machen, arbeiten. Es ist nicht die Aufgabe der Kinder, mir die Möglichkeit zu geben, meiner Arbeit nachzugehen oder mich auszuruhen. Wenn sie klein sind, bin ich für sie da. Das ist kein Opfer, es ist NORMAL. Es ist eine Abfolge von Phasen, die die kindliche Entwicklung vorgibt. Nicht ich. Ich begleite. Ja, ich achte auch auf mich, im Rahmen dessen. Und ja, ich kann mir Hilfe holen, um die Phasen zu durchstehen. Ja, es kann sehr anstrengend sein. Und das ist ok.
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           Es ist niemals ok, sich hellichten Tages über spielende Kinder zu beschweren. Nein, spielende Kinder müssen keine Rücksicht auf die Geräuschempfindlichkeit von Erwachsenen nehmen. Nein, es gibt keine Ausnahme. Es ist mir unerklärlich, wie Menschen sich so entwickeln konnten, dass das Lachen, Schreien, Toben von Kindern sie stören kann, sie wütend machen, sie ärgern. Natürlich kann man Kindern beibringen, dass es Regeln gibt. „Sei leise im Garten“ oder „Schrei doch nicht so!“ auf dem Spielplatz ausgesprochen ist keine Regel, sondern abartiger Schwachsinn. Es gab Momente in den letzten zwei Jahren, da hat es mich gegruselt. Ich habe den ganzen Tag keine lauten, lachenden Kinderstimmen gehört. Totenstille, wie auf dem Friedhof. Es hat mich fertig gemacht. Es war falsch. Womit wir beim nächsten Punkt wären.
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           Kinder dürfen niemals eingesperrt werden. Sie müssen manchmal, in seltenen Fällen zuhause bleiben, aber sie dürfen unter keinen Umständen weggesperrt werden. Der einzige Grund, ein Kind im Haus zu halten, ist: es selber ist akut krank oder draußen fliegen Bomben.
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           Kinder brauchen zum Leben freies Spiel. Sie sollen dabei möglichst nicht unterbrochen werden. Irgendwann ist die Spielzeit naturgemäss zu Ende und es gibt etwas zu tun: nach Hause gehen, essen, schlafen. Ansonsten gibt es kaum Gründe, Kinder zu unterbrechen beim Spiel.
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    &lt;/span&gt;&#xD;
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           Kinder haben ein Geburtsrecht auf viele Momente ungeteilter Aufmerksamkeit, je nach Alter. Ich denke oft darüber nach, was es mit einem Kind macht, wenn es von Bezugspersonen umgeben ist, die ein kleines Gerät interessanter finden als die Welt, in der das Kind sich mit den Menschen erlebt.
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           Wenn ein Kind einem Erwachsenen etwas sagen will, dann muss der Erwachsene zuhören. Ja, es gibt Momente, wo man nicht zuhören kann, oder etwas beenden muss. Kinder verstehen das. Eine Whatsapp schreiben ist in aller Regel nicht ein solcher Moment. Ich meine nicht, dass Erwachsene bei jedem Piep des Kindes ihr Erwachsenengespräch beenden müssen. Im Gegenteil, auch hier können Kinder Regeln lernen. Aber ich meine, dass Erwachsene ihre Antennen mehr im hier und jetzt haben sollten, um zu spüren, wann das Kind echte Aufmerksamkeit braucht, und das sage ich auch zu mir selber. Vor allem kleinere Kinder brauchen, dass wir meistens ganz da sind. (Wie sehr bist du da mit Earpods?) Das kann auch bedeuten, dass sie beobachten, wie wir vollkommen mit einer analogen Tätigkeit beschäftigt sind. Sie lernen auch dadurch, und es hat oft beruhigende Wirkung. Auch wenn wir uns etwas anderes einreden, sie merken, wenn wir im Kopf nicht da sind. Wenn sie sich meistens darauf verlassen können, dass wir in wichtigen Momenten voll da sind, sind sie auch mehr bei sich, und kommen nicht permanent quengelnd zu einem, um sich zu versichern, dass wir „da“ sind, geistig, emotional, mental.
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           Kinder haben einen Anspruch auf Privatsphäre. Ich bin der unpopulären Meinung, dass man seine Kinder grundsätzlich nicht in social media präsentieren sollte. Ja, wir sind stolz auf unsere Kinder. Das ist gut. Das wars dann auch schon. Ich verzichte jetzt bewusst darauf, über Babys und Kinder als Props in Influencer- und Prominenten-Postings zu sprechen: It goes without saying, was ich davon halte. Ja, ich ganz persönlich. Es steht den Lesern dieses Textes frei, das total super zu finden.
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           Kinder haben ein Recht auf Bildung, und zwar auf ganzheitliche. Nee, nicht nur Zahlen und Buchstaben. Kinder lernen auch durch Erfahrung, mit dem Körper. Und das ist auch Sport, Kunst, Werken, Ethik/Religion, Musik. Die letztgenannten Dinge sind gleichwertig mit Mathe, Deutsch und Sprachen. Sie können nicht angemessen online unterrichtet werden. Ganzheitliche Bildung ist meiner Meinung nach online kaum möglich. Das Kind lernt von anderen präsenten Menschen, von dem, was sie sagen, aber auch von ihrem Wesen, ihrer Ausstrahlung, ihrer Mimik, ihrem Schweigen, ihrer Körpersprache. Aber Mathe und Rechtschreibung sind auch kein überflüssiger Schmarrn.
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    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
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    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Kinder haben ein Recht auf Kindheit. Es ist nicht von ihnen zu erwarten, dass sie sich wie Erwachsene verhalten. Und man darf sie auch nicht dorthin manipulieren. Kennt Ihr den Satz „Die machen das so gut...!“ Hört man in letzter Zeit ziemlich oft. Hört da mal genau hin. Was wird da eigentlich gesagt?
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    &lt;/span&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
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           Und sie sollten entsprechend altersgemäß vor Erwachseneninhalten geschützt sein. Es wäre demnach zu überlegen, was es eigentlich bedeutet, wenn wir Kinder und Jugendliche „unbegleitet“ ins WWW lassen. Da ist alles zu finden, wovor wir sie im echten Leben oft überprotegieren. Junge Menschen unter 18 sind junge Menschen unter 18. Diese Grenze zum Erwachsensein haben wir irgendwann mal gesetzt, es ist eine Schutzgrenze. Es gibt Leute da draussen, die wollen das nach unten schieben in bestimmten Bereichen, in denen sie eigene, erwachsene Interessen haben. Die Antwort ist NEIN.
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           Kinder brauchen Rituale, Stabilität, Gewohnheiten und Langsamkeit mehr als ständig etwas Neues und schnelle Wechsel.
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    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Es ist wichtig, sich immer wieder auf das Tempo einzulassen, was das Kind vorgibt. Mindestens einmal am Tag. Je kleiner das Kind, desto öfter. Als ich noch im Kindergarten war, habe ich morgens um 7 Uhr an der Badewanne gestanden, während meine Mutter sich am Waschbecken fertig gemacht hat. Ich habe seeehr lange das Stück Seife in meiner Hand gedreht, bis sich richtig viel Schaum gebildet hat, dann legte ich die Seife weg, um meine Hände einzuseifen, bis der Schaum wie Sahne wurde. Erst dann war ich fertig. Es war Zeit zum Wachwerden und gab Raum für Konzentration, es war sinnlich, ein Ritual, Langsamkeit, Kontemplation, Meditation. Natürlich sind das Erwachsenenbegriffe. Ich werde für immer dankbar sein, dass niemand rumgemäkelt hat, dass ich Wasser, Zeit, Seife verschwende, dass ich schneller machen soll, dass ich aufhören soll da rumzuspielen, oder was man alles falsch finden kann. Das Ritual war stabil, und es hat meiner Mutter wohl auch Raum verschafft, ihren Ritualen nachzugehen.
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    &lt;/span&gt;&#xD;
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           Ja, Kinder fordern uns extrem heraus, und das ist die gute Nachricht. Da kann man als Erwachsene auch noch mal schön weiterwachsen. Kennt ihr noch diese Wachstumsschmerzen in den Knochen und Muskeln? Kann krass sein. Was haben die Großen dann immer gesagt? „Du wächst!! Das ist gut. Geht vorbei.“
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    &lt;/span&gt;&#xD;
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    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
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           Ich fasse zusammen.
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    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Kinder haben ein Recht auf Kindheit; auf Lebendigkeit, Raum, Licht und Luft; Würde, Respekt und Privatsphäre; Ruhe und ihre eigene Lautstärke, auf Schutz und Geborgenheit; auf ihr Tempo und Geduld; Spiel und Bildung; Freiheit von Verantwortung und Überforderung; die Unversehrtheit ihres Körpers; auf klare Regeln und Grenzen sowie Freiheit von Manipulation; auf bedingungslose Liebe und Zuwendung.
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    &lt;/span&gt;&#xD;
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    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
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           In den letzten zweieinhalb Jahren ist mir fast der Kopf explodiert diesbezüglich, so, und jetzt hat es eine Form. Es sind nicht alles Rechte im juristischen Sinne, schon klar. Sie sind MORALISCH geboten.
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    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
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      <pubDate>Tue, 20 Sep 2022 07:46:28 GMT</pubDate>
      <author>pol@tanjapol.com (Tanja Pol)</author>
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    <item>
      <title>Sag nein! (Autonomie)</title>
      <link>https://www.tanjapolconsulting.com/sag-nein</link>
      <description>Eine persönliche Geschichte aus meiner Kindheit, über Pädagogik, Autonomie, Akronyme, Fremdwörter und Synästhesie, und nicht zuletzt meinen Opa.</description>
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  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Als ich 9 oder 10 Jahre alt war, musste ich ein Buch mit dem Titel SAG NICHT JA, WENN DU NEIN SAGEN WILLST lesen. Ja, ich musste. Nicht, weil mich das so brennend interessiert hätte, einen psychologischen Ratgeber für Erwachsene zu lesen, sondern weil es mir befohlen wurde. Mein Opa befahl und verbot mir Dinge. Nein sagen zur Lektüre des Buches? War nicht vorgesehen. Er war recht streng und unnachgiebig, wenn er mir einmal eine Sache aufgegeben hatte. Was ich tun musste, hatte mit „Bildung“ zu tun, mit seiner ganz speziellen Idee von dieser, denn er nahm mir gegenüber gewissermaßen eine Vaterrolle ein, und er war der Meinung, dass er einen besonderen Erziehungsauftrag in Bezug auf mich hatte: „Das Kind muss was lernen, Abitur machen, studieren!“. Was dem aus seiner Perspektive entgegenlief, war mir verboten, zum Beispiel: Comics lesen, mit Puppen spielen, kurze, enge Jeansröcke tragen, und später dann: einen Freund haben. 
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    &lt;/span&gt;&#xD;
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    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wenn mein Opa einen Befehl zur Bildung erteilt hatte, war er meinerseits ohne Widerspruch auszuführen. Man könnte auch sagen: Er gab klare Strukturen und Werte vor, wie das Menschen, die einen erziehen, so machen. Ich hatte Dinge zu lernen, die seiner Ansicht nach in der Schule vernachlässigt wurden. Des Weiteren war es eine bestimmte Art von Allgemeinbildung, die er mir vermitteln wollte. Er war besessen von der Idee, dass man bessere Chancen habe im Leben mit einer breiten Allgemeinbildung. Das stimmt vermutlich auch. Es hatte aber auch noch einen anderen Aspekt, der hatte etwas mit Scham zu tun. Zum Beispiel musste ich Fremdwörter lernen. Als es damit losging, ich war im Grundschulalter, erklärte er mir einleitend, es gäbe nichts Peinlicheres als Menschen, die ein Fremdwort verwenden, sich also gewählt ausdrücken wollen, und es dann falsch einsetzen, weil sie eigentlich nicht wissen, was das Wort bedeutet. Ein konkretes Beispiel zum Nicht-Allgemeinwissen, jenseits von Fremdwörtern, habe ich mir gemerkt: „Tanja, es gibt Leute in Köln, die wissen nicht, wofür KVB steht. Sie fahren jeden Tag mit der KVB und wissen nicht, was das eigentlich heißt. Das soll dir nicht passieren. Es steht für: Kölner Verkehrs-Betriebe.“ Es war also peinlich, etwas nicht zu wissen. Peinlichkeit war fundamental schlecht und um jeden Preis zu vermeiden. Wie mir heute klar wird, im Grunde beim Schreiben dieses Textes, habe ich diese – vermeintliche! Fiktive! Konstruierte! – Verbindung von Unwissenheit und Scham sehr verinnerlicht. Sobald ich ein Wort höre, das ich nicht kenne, werde ich nervös und ich schlage es nach. Akronyme, die immer häufiger werden, auch durch den Einfluss aus dem englischsprachigen Raum, kann ich nicht verwenden, ohne zu wissen, wofür die Buchstaben stehen, auch wenn ich die grundlegende Bedeutung des Begriffs kenne. Mein Kopf ist randvoll unter anderem mit nutzlosem Lexikonwissen, Fun Facts, und Definitionen. Ich bin besessen von Etymologie, und ich gehöre zu den Personen, die das Lernen von Altgriechisch und Latein unter gewissen Umständen für sinnvoll halten (von wegen Fremdwörter...), und natürlich verfängt sich in meinem Wissenstaubsauger auch extrem viel Nützliches. Aber ernsthaft, man fährt nicht besser mit der KVB, wenn man weiß, wofür diese Buchstaben stehen. Auch die MVG wird kein bisschen pünktlicher oder zuverlässiger, wenn man sie Münchner Verkehrsgesellschaft nennt. Es ist Wurscht! Ich frage mich, ob ich mit der Staubsaugerfunktion geboren wurde oder ob sie antrainiert ist, oder beides. Vermutlich letzteres.
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           Besonders wichtig war meinem Opa, dass eine FRAU, die ich ja mal sein würde, nicht peinlich „dumm“ ist. Als Frau etwas nicht zu wissen war möglicherweise noch mehr mit Scham verbunden, als ein nicht wissender Mann zu sein. Peinlich war auch, nicht jede Hauptstadt der Europäischen Länder aus der Pistole geschossen aufsagen zu können, wenn man neun ist, und die Einwohnerzahlen der Länder musste man unbedingt kennen, und die Namen der längsten Flüsse der Welt: Damit war zusätzlich zu FREMDWÖRTER und ALLGEMEINWISSEN das Fach OPAS ERDKUNDE eingeführt (in der Schule lernte man das tatsächlich nicht, sondern so Sachen wie Erosion, und den Unterschied zwischen Taiga und Tundra, oder wie man eine Karte liest, in der es um Bodenschätze geht). Im Eingangsbereich der Wohnung meiner Großeltern, in der ich von 7 bis 16 mit ihnen wohnte, wurde eine sehr große farbige Europakarte aufgehängt, vor der wir dann oft standen, wenn „Unterrichtszeit“ war. Ich war fortan unschlagbar in Stadt-Land-Fluss, und es gab immer Diskussionen mit den Freundinnen, ob es wirklich einen Fluss gibt, der Guadalquivir heißt, oder ob ich den erfunden habe. Wichtig war Opa auch, dass ich, wenn ich in Urlaub fuhr (mit meiner Mutter oder meiner Oma, ich war nicht einmal mit meinem Opa im Urlaub, fällt mir gerade auf), dann reichte es nicht, zu sagen: Wir fliegen nach Mallorca, sondern ihm war wichtig, dass ich wusste, wo das liegt, dass ich es auf der Karte finde. An sich keine schlechte Idee, einem Kind so nebenbei seine Lebenswelt zu erklären, Verbindungen herzustellen, den Horizont buchstäblich zu erweitern. Die Art und Weise allerdings, wie mein Opa das ganze framte, oft irgendwie schimpfend, nebenbei meine Oma diffamierend, die angeblich überhaupt keine Ahnung von irgendwas hatte, war nicht ganz angemessen. Sie nahm mich drei Wochen mit in den Urlaub, ganz so blöd kann sie nicht gewesen sein. Wissen, so sein Credo, das war Distinktion, bewahrte vor Peinlichkeit, so eine Art Schutzpanzer, der einen unangreifbar macht. Wer ihn nicht hat, ist eine Art Kretin, „Kreti und Pleti“ (sein Ausdruck) haben keine Ahnung von nix, „so wirst du nicht, Tanja!“ Dafür wollte er sorgen, das war die Mission. „Du wirst mir nochmal dankbar sein!“. Wenn ich den Satz gehört habe, habe ich innerlich oder hinter seinem Rücken mit den Augen gerollt, und den Scheiß gelernt. Ja, ich muss unbedingt Kraftausdrücke verwenden in diesem Text, es hilft mir beim Kanalisieren, das ist eine der Intentionen beim Schreiben dieses Blogs. Ich musste jeden Tag, auch sonntags, ein Pensum Fremdwörter, Erdkunde und oft auch Mathe, und später Niederländisch (seine Muttersprache) lernen, und das wurde täglich abgefragt. Ich wollte meine Ruhe, aber das Auswendiglernen fiel mir leicht, also hab ich‘s einfach gemacht. Ich habe ein fotografisches Gedächtnis für Wörter und ein synästhetisches System in meinem Kopf, das es mir ermöglicht, Schriftbilder, Laute und andere Tanja-spezifische Sinneswahrnehmungen wie Stimmungen und Schwingungen so zu verbinden, dass ich das Gelernte abrufen kann. Mein Opa war immer wieder erstaunt, wie ich mir die schwierigsten Fremdwörter merken konnte. Easy, ich hatte ein Bild im Kopf! Das kann ich erst heute so sagen, nachdem ich mich näher mit Synästhesie beschäftigt habe. Ich habe mich ihm dadurch irgendwie auch überlegen gefühlt, oder besser, ich habe sein System unterlaufen. Ihn ausgetrickst. Ich habe nach meinem Verständnis nicht im engeren Sinne „gelernt“, sondern einfach den Stoff abfotografiert, teilweise irgendwie kombiniert mit dem Klang, oder auch mit dem visuellen Umfeld, der Stimmung zum Zeitpunkt des Lernens, auch Gerüche konnten eine Rolle spielen. Eine Art sonographisches inneres System entfaltete sich und half mir. Es gab Inhalte, da war das nicht vollständig möglich, Mathe zum Beispiel, denn bei Zahlen klappt das nicht ganz so gut. Mir war einfach nur wichtig, dass er nicht schimpft und ich endlich frei hatte. Ich weiss, dass er es nicht böse meinte. Er war schon streng, aber nicht bös'. Das wusste ich, weil ich es fühlte.
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           Zurück zum Anfang. Irgendwann stand also plötzlich das Buch SAG NICHT JA, WENN DU NEIN SAGEN WILLST auf dem Opa-Unterrichtsplan. Ich fand's banal, hatte ich doch im Grunde ein angeborenes Gerechtigkeits- und Wahrheitsverständnis, wie wohl die meisten Kinder. Es war logisch, Erwachsene sagen Ja oder Nein, wenn sie es meinen, ein klarer Vorteil des Erwachsenseins! Wenn meinem Opa etwas nicht passte, sagte er sehr klar, laut und deutlich NEIN! Und mir war auch völlig klar, dass für Kinder andere Regeln galten, situativ. Aber dies war ein Buch für ERWACHSENE. Jeden Tag stand ein Kapitel zur Lektüre an. Es war nicht schwer zu lesen, es gab langweilige Fallbeispiele aus der Erwachsenenwelt, nicht übertragbar auf meine Kinderwelt. Klarer, aber unklassischer Fall von „Adultisierung“, mir damit zu kommen. Ich habe das Buch vor ein paar Jahren in einer Kiste im Keller wiedergefunden: Es enthielt unter jedem Kapitel einen handschriftlichen Vermerk von meinem Opa, wann ich es gelesen hatte. Mir wurde schlagartig klar, wie absurd und leicht gestört es war, eine 9- oder 10-Jährige zu nötigen, ein Buch zu lesen, mit welchem sie lernen soll, sich nicht zu etwas nötigen zu lassen, um eine autonome Persönlichkeit zu entwickeln. Kinder lernen nicht durch Erwachsenenratgeber, sondern durch persönliches ERLEBEN. Darin sollte man sie begleiten. Ich habe das Buch weggeworfen, mit einer rituellen Geste des Loslassens, Beendens, im Sinne von: „Weg damit! Ende, Nein! Ich möchte nicht!“. Es kann gut sein, dass ich irgendetwas in dieser Art auch ausgesprochen habe, als ich an der Mülltonne stand, kombiniert mit lauten Kraftausdrücken und Flüchen.
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  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Das Thema Autonomie beschäftigt mich nach wie vor. Ja, ich kann ganz gut NEIN sagen, wenn ich ganz klar NEIN fühle. Aber mitunter merke ich zu spät, dass ich in einer Situation bin, in der ich zwar bewußt handle und mit Personen interagiere, mich im Verlauf aber ausgeliefert fühle, unzufrieden, „gelebt“, nicht in meiner Kraft. Ich spüre ein immer stärker werdendes Unwohlsein. Wenn ich das reflektiere, komme ich oft zu der Erkenntnis, dass ich in die Interaktion gegangen bin, möglicherweise schon mit Zweifeln, ob ich das will, mit einem leisen „nein, ich möchte nicht“ im Hinterkopf, oder im Bauch, ich aber nicht darauf gehört habe. Ich habe also JA gesagt, als ich NEIN sagen wollte, habe aber meiner inneren Stimme nicht zugehört. Irgendwelche sozialen Filter, Verpflichtungsgefühle, Scham, Komplexe, alte Gewohnheiten oder sowas wie „Passt scho‘!“ haben mich in diese Lage gebracht, in der ich mich frage, wie ich da elegant wieder rauskomme. Klar, man kann immer sagen: "Leute, sorry, ich bin raus". Aber andere soziale Filter halten einen davon dann auch wiederum ab.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Übrigens ist es manchmal geboten, zu sich selbst NEIN zu sagen, wenn man jemand anderes in seiner Autonomie beschränken will. „Nein, tu das nicht, halt den Mund, nicht deine Baustelle!“ Es ist nicht immer leicht, sich dessen bewusst zu sein, meistens hat man sogenannte gute Absichten. Es ist jedoch nicht gut, in fremde symbolische Räume zu latschen mit einem Helfersyndrom, unsolicited advice oder mit einem übersteigerten Bildungsauftrag. Es ist schwer, aber wichtig, rechtzeitig zu sich selbst zu sagen: Nein, ich mische mich da nicht ein. Genauso schwer wie: Nein, ich will nicht, dass du Dich in mein Zeug einmischst. Ja, ich verteidige meine Grenze und respektiere Deine. Die schwierigste Aufgabe der Welt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Übrigens fällt mir auf, dass Manipulation, Nudging und Gaslighting (was dasselbe ist wie Manipulation), euphemistische Diktionen und andere uneigentliche Sprechweisen es immer schwerer machen, im Alltag klar JA oder NEIN zu sagen. Ich sehe es glasklar in der Werbung und in der Politik, und es sickert ins Private. Es ist unheimlich.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Dieser Text wird fortgesetzt unter dem Titel:
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="/danke-opa"&gt;&#xD;
      
           Danke, Opa
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           !
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 02 Sep 2022 07:29:54 GMT</pubDate>
      <author>pol@tanjapol.com (Tanja Pol)</author>
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      </media:content>
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        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Danke, Oma &amp; Opa!</title>
      <link>https://www.tanjapolconsulting.com/danke-opa</link>
      <description>Dies ist die Fortsetzung von SAG NEIN. Es ist auch eine Kindheitsgeschichte, in der es um Dankbarkeit und Autonomie geht.</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Bin ich dankbar, wie mein Opa es mir prophezeite? Jein. Ich bin dankbar dafür, dass er sich meiner angenommen hat, ja. Ich bin dankbar, dass mir ein nicht kindgemäßer Overload an Wissen buchstäblich eingetrichtert wurde, es hat manches in der Folge leichter gemacht, aber nicht so, wie er intendierte, fürchte ich. Man kommt besser durch das ebenfalls nicht-kindgerechte Schulsystem, wenn man auf jeden Scheiß eine Antwort hat und „schwierige“ Wörter verwendet. Es verschafft einem keinen Respekt, aber die Lehrer werden davon in gewisser Weise eingeschüchtert, und lassen einen eher in Ruhe, meine Erfahrung. Was das JA/NEIN Buch angeht, um das es im vorherigen Post ging, so bin ich nicht sicher, was das Buch bewirkt hat, und was einfach meine Persönlichkeit ist. Ich weiß also nicht, ob hier Dankbarkeit angezeigt ist.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Einmal habe ich in meiner Schulzeit sehr deutlich NEIN gesagt, zu einem Lehrer. Mein Klassenlehrer auf dem Gymnasium, nennen wir ihn Herr D., war der Meinung, dass irgendwas nicht mit mir stimmt, weil ich immer nur mit derselben Freundin rumhing, wir waren symbiotisch, wie Zwillinge, und wie das in den früher 80ern mal ein Ding war, haben wir uns manchmal gleich angezogen, und auch Klamotten getauscht. Wir waren unzertrennlich, und das war schön und erfüllend. Es passte. Es war klar, irgendwann würde sich das auseinanderleben. Aber die Zeit, die wir gemeinsam verbrachten, war Gold. Ich war und bin Einzelgängerin, ich kann nicht ständig „mit den Mädels“ in Horden rumziehen. Ich bin in der Lage, mich auf zwei oder drei Personen, die ich sehr gut kenne, einzulassen. (Und außerdem gibt es flüchtigere Beziehungen, Bekanntschaften, lockere Freundschaften, klar). Dieser Mann hat das gewissermaßen pathologisiert, oder zumindest hochgradig problematisiert. Wir waren im Schullandheim, wie jedes Jahr. Ich habe es geliebt. Es wird einen eigenen Text geben müssen zu Niedersgegen in der Eifel, es war existentiell für mich, mein Coming of Age fand zu 80% dort statt. Und diese Heilige Woche hielt Herr D. für den richtigen Zeitpunkt, mich beiseitezunehmen, um "mit mir zu reden“. Ich musste dann mit ihm "spazieren gehen“ (das muss alles in Anführungszeichen, es ist so falsch!!), und er hat mit mir einen Psychotalk begonnen. Es war grauenhaft, nervig, entmutigend, ja niederschmetternd. Ich habe dann rausgefunden, dass er das mit wenigen anderen auch machte, eine Mitschülerin sah mich mit ihm, und fragte mich: „Will der D. mit dir auch immer reden?“ Ihre Eltern ließen sich scheiden, Herr D. meinte, dazu etwas beitragen zu dürfen. Sie war anderer Meinung und schwer genervt. Wie peinlich ist es bitte auch, einzelne Leute aus der Gruppe zu nehmen, und die anderen sehen Dich, wie Du mit dem Klassenlehrer in den Wald läufst? Der Austausch mit der Mitschülerin half mir. Wir redeten mit zwei, drei anderen Mitschülern, die uns bestärkten, dass Herr D. ein Problem hat, und nicht wir, zumindest nicht so, wie er sich anmaßte, zu diagnostizieren. Offensichtlich war ich nicht ganz so isoliert, wie Herr D. mir das einreden wollte, ich wurde gestärkt von Klassenkameradinnen. Ich hatte so einen starken inneren Widerstand, und tatsächlich habe ich beim dritten Mal, als er wieder „reden“ wollte, einfach NEIN gesagt. Er war perplex, es verschlug ihm kurz die Sprache. Als er wieder zu sich kam, fragte er: „Wie, nein? Du willst nicht mit mir reden?“ Mir war schlecht vor Aufregung, es war immer noch der Form nach eine Respektsperson, ein Erwachsener! Der, der die Macht hat! Der meine Klassenarbeiten korrigiert! Ich wiederholte, diesmal im ganzen Satz, dass ich diese Gespräche nicht mehr wolle. Er war sichtlich geschockt und ist dann abgezogen. Meine Mitschülerin hat das auch so gemacht. Ich kann mich nicht genau erinnern, was ich damals für Gedanken hatte, ob ich mich bewusst an das Buch „Sag nicht Ja, wenn Du nein sagen willst“, dass ich etwa 5 Jahre vorher auf Ansage meines Opas gelesen hatte, erinnerte. Aber irgendwie war da etwas, dieser Autonomie-Impuls, dieses: Verdammte Scheisse, Alter, NEIN! Lass mich in Ruhe mit Deinem Drecks Psycho-Talk! Es geht Dich nichts an, mit wem ich meine Freizeit verbringe! Ich erinnere mich vage, dass der Titel des Buches, dieses Mantra, eine gewisse Rolle gespielt hat. Auch die Persönlichkeit meines Opas war im Hintergrund. Er war sehr unkonventionell, und sehr direkt. Begebenheiten, die ich an seiner Seite erlebt habe, als er mit anderen Menschen interagierte, haben mich geprägt. Das war situativ sehr anstrengend, peinlich (Eltern/Großeltern SIND peinlich, normal, ist ok), too much, aber irgendetwas habe ich mitgenommen, dass mir Kraft gibt, wenn’s mir richtig reicht. Ich bin extrem stolz auf das klare Nein zu Herrn D. Ich sehe rückblickend, wie richtig es war, wie falsch er lag, denn in dieser akuten Krisensituation hatte ich Rückhalt von anderen aus meiner Gruppe, ich war nicht so isoliert wie er mir einreden wollte, ich war in der Lage, zu kommunizieren und mich auszutauschen außerhalb meiner Symbiose mit der besten Freundin (die mich natürlich auch unterstützte!).
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Meine geschätzte Leserschaft mag jetzt einwenden: Moment mal, ein Einzelgespräch mit dem Lehrer? Was ist daran so schlimm? Wo ist hier bitte die Grenzüberschreitung? Er hat es doch bestimmt gut gemeint! Richtig, ein pädagogisches Gespräch kann eine angemessene Maßnahme sein mit wertvoller Intention. Ich hatte zwei Gespräche absolviert. In denen wurde mir mitgeteilt, dass ich falsch bin, und es seine Mission ist, das zu ändern. Er sieht, was ich nicht sehe. Das ist es, was bei mir ankam. Eine Anmaßung auf der Basis von Hybris, meine Persönlichkeit ignorierend. Neudeutsch
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Gaslighting
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            . Wenn er wirklich dachte, mit mir stimmt etwas nicht, hätte er mit meinen Erziehungsberechtigten reden müssen, oder sie einbeziehen. Scheiße, ich fühlte mich seinem Urteil ausgeliefert! Vor allem aber, kommt mir jetzt, habe ich ein Stück weit mich selbst in Frage gestellt, dadurch, dass er mich, wie ich in der Klasse dastand, in Frage stellte. In unserer Familie waren ein paar Sachen „anders“, und ich wandte sehr viel Energie auf, Schrägheiten meiner Lebenssituation zu kompensieren. Zum Beispiel die Tatsache, dass ich seit Jahren täglich drei Stunden
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Homeschooling
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            mit Opa hatte (siehe
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="/sag-nein-wenn-du-nein-sagen-willst-autonomie"&gt;&#xD;
      
           SAG NEIN
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           ), und dass ich manchmal meine Sachen selbst waschen musste, aber die Waschmaschine war kaputt, und Oma gings nicht so gut, sie hatte Rücken, oder Nervenziehen im Kopf. Dass wir im Bad einen Ofen hatten, der mit Holzresten aus der Sargfabrik befeuert wurde, und das heiße Wasser reichte dann für eine halbe Badewanne. Dass meine Oma vielleicht ein bisschen zu viel Zeug aufbewahrte, denn wenn man einen Krieg erlebt hat, dann denkt man, auch kaputte Sachen kann man noch gebrauchen, und intakte Sachen benutzt man nicht, sondern verwahrt sie "für gut". Dann kommt Herr D. und sagt gefühlt: Hey, Du kleiner Freak, mit Dir stimmt was nicht! Du und Deine Freundin, Ihr seid krass neben der Spur. - Hey, Herr D.! Ja, ich bin ein Freak, aber das geht Dich nix an! Ich komm klar und wenn Du wirklich denkst, ich bin ein Freak, ruf meinen Opa an!
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Er kann froh sein übrigens, dass er sich nicht an meinen Opa gewendet hat. Als ich etwa acht Jahre alt war, bin ich mit dem Opa in den Tante Emma Supermarkt „Lebensmittel Winkels“ auf der anderen Straßenseite gegangen, wir haben ein paar Pfandflaschen weggebracht, unter anderem. Dazu musste man in einer Ecke hinter der Kasse, wo meterhoch die Wasser- und Limokästen gestapelt waren, an einer Tür zum Hinterzimmer seine Flaschentasche abgeben. Die Mitarbeiterin nahm die Tasche entgegen, sortierte die Flaschen weg, gab sie zurück mit einem Zettelchen, auf dem der Pfandbetrag stand. Ein festes Ritual, einfach. Wir wussten wie das geht. Nur: meinem Opa passte an dem Tag irgendwas nicht. Err sagte etwas zur Verkäuferin. Sie antwortete mit „Sie müssen mir Ihre Tasche geben!“, so in der Art. Richtig, so lief's dort. Aber: "SIE MÜSSEN!" Mein Opa ging durch die Decke. Er fühlte sich angegriffen, beleidigt, was weiß ich. Aus meiner Perspektive hatte die Frau einen normalen Satz gesagt, ich kannte sie, ich habe mir in dem Laden oft was Süßes oder Chips gekauft. Sie war nie besonders nett, aber auch nicht böse oder so. Mein Opa sagte mit übertrieben lauter Stimme: „SIE MÜSSEN??? Ich muss gar nichts, nur sterben muss ich!“. Der schwarz-weiss karierte Kachelboden des Ladens tat sich auf und ich versank, so wie Homer Simpson in der Gartenhecke.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ja, mein Opa Jan war ein sehr spezieller Mensch, der sich meiner angenommen hat, und dafür danke ich ihm. Und meiner liebevollen Oma Hildegard danke ich auch, dass sie ihn zeitlebens ertragen hat und in Schach gehalten, und mich schon als Baby mitversorgt hat, mit mir in den Urlaub gefahren ist, den Haushalt geführt hat und Alltagsrituale gepflegt, und vor allem immer da war. Ich bin glücklich, wenn ich daran denke, wie wir von der Lübecker Straße zum Sudermannplatz rübergelaufen sind, ich war 3,4,5 Jahre, und wir gingen einkaufen bei Osti, und ich durfte immer gucken an dem Ständer mit den Billigspielsachen, und oft hab ich was kleines gekriegt. Und auf dem Heimweg trafen wir dann regelmässig die eine oder andere Bekannte von Oma, und sie unterhielten sich seehr lange, und ich war einfach nur da. Es war eine gute Art des Langweilens, die Zeit stand still, totale Gegenwart, so Eckhart-Tolle-mässig. Das reine Glück.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich bin dankbar, dass ich in Omas und Opas Schrebergarten aufwachsen durfte, wo Opa mit damals modisch knapper Shorts und freiem Oberkörper, seine riesige Magen-OP-Narbe präsentierend gärtnerte, und Oma mit so
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Frottéebadelatschen, aus denen die Füße vorne durchrutschten, sodass die Zehen den Erdboden berührten, und Polyesterkleid ohne Arme („mir isset wärm“) Äädäppel (Kartoffeln), Bunne (Bohnen), Sprütchen (Rosenkohl), Prumme (Pflaumen), Johannisträubchen (-beeren), Prei (Porrée), Schloht (Salat) und vieles andere erntete und daraus täglich leckeres Oma-Mittagessen kochte, sowie Kompotte und Marmeladen. Wenn ich an den Garten mit Opas Rosenbeet, Obst(kletter)bäumen, Wasserpumpe, Zinkwanne, Komposthaufen und Geräteschuppen denke, an das Beet mit Dahlien im September, die so hoch wuchsen, dass es für mich wie ein Wald war, bin ich richtig glücklich und tief dankbar, und mir sind die Fremdwörter, Hauptstädte und Primzahlen total egal. Wenn ich Radfahren gehe, und ich rieche Wiese, Erde, Blüten, und meine Haut, wenn die Sonne draufscheint, und ich höre die Insekten und die Vögel, kommt so ein unfassbar gutes Gefühl auf, und ich sitze wieder beim Opa vorne im Lenkersitz und wir radeln zum Blücherpark, in den "Gatten“ (Garten). Da ist Dankbarkeit, ganz tief drinnen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 02 Sep 2022 07:26:11 GMT</pubDate>
      <author>pol@tanjapol.com (Tanja Pol)</author>
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      </media:content>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Oggi no, domani si</title>
      <link>https://www.tanjapolconsulting.com/oggi-no-domani-si</link>
      <description>Über moderne Faulheit und digitale Ablenkung, neudeutsch Prokrastinieren.</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich habe diesen Text sehr lange vor mir hergeschoben. Und davon handelt er auch: vom Prokrastinieren*. Ich war schon immer eher Team auf den letzten Drücker. Das war im Ergebnis eigentlich nie ein Nachteil. Die Conclusio meiner Magisterarbeit habe ich in den letzten 48 Stunden vor der Abgabe geschrieben. Der Teil, auf Adrenalin und ohne Schlaf geschrieben, gefiel mir am Ende am besten. Okay, das ist jetzt echt lange her, und es war, wenn ich ehrlich bin, die Hölle, ein absoluter Alptraum, und ich kann mir im Nachhinein nicht erklären, wie es dazu kommen konnte. Ich wusste: Ich MUSS am Stichtag abgeben, wie oft wurde das seitens des Prüfungsamts mitgeteilt, es gibt keinen Aufschub! Ich hab’s also geschafft. Hatte ja auch sechs (6!!!!) Monate Zeit. Ein paar Wochen später traf ich eine Kommilitonin, mit der ich öfter gelernt hatte, und die dasselbe Abgabedatum hatte. Ich frage sie, wie es für sie lief, ich hatte mitbekommen, dass sie nach hinten raus auch in Zeitnot war. Sie sagte trocken: Ich habe die Frist verlängert, war gar kein Problem. Ein Tanja-Klassiker, gar nicht erst auf die Idee kommen, die Deadline zu schieben.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich habe mir irgendwann klar gemacht, dass ich einfach gut unter Druck arbeiten kann, und beschlossen, vollumfänglich zu akzeptieren, dass ich so funktioniere, und mich zukünftig gelobt für mein produktives Stressmanagement. Wenn sich eine Deadline näherte, habe ich einfach gewartet, bis das Adrenalin einschießt, und dann Messebewerbungen, Pressetexte oder Umsatzsteuervoranmeldungs-Vorbereitungen rausgehauen, meine Galerie im Abendkleid geputzt eine Stunde vor der Eröffnung, oder einen Großtransport in Rekordzeit gepackt. Das letzte Bild war fertig, als die Spediteure ihren Kaffee getrunken hatten, und die Labels habe ich im Laderaum geklebt, während die Packer ihr wirklich bewundernswertes Kunstwerke-Tetris spielten und die Gurte festzurrten. Ich hätte die Kunst niemals ohne Labels rausgelassen, das gehörte zum Deal, den ich mit mir hatte, spät dran sein ist ok, schlampen geht gar nicht.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Allerdings: Prioritäten muss man schon setzen, oder besser gesagt, Abstriche machen ist essenziell. Denn zum Verschieben gehört meiner Meinung nach das Zu-Viel-Wollen dazu. Es stehen zu viele Sachen auf der Liste, und es werden mehr. Dazu kommt: Das, was man so als Vorstellung hat, wie eine einzelne Aufgabe erledigt werden soll, ist manchmal völlig unrealistisch und überzogen. Manche Aufgaben, die man sich stellt (genau, man stellt sie sich selbst! Das bedeutet auch: Man selbst kann sie auch wieder streichen, oder gar nicht erst aufschreiben!!), bestehen in Wirklichkeit aus vielen Einzelpunkten. „Abstellraum aufräumen“ kann bedeuten, dass man den Abstellraum aufräumen will. Vermutlich wird man bei der Gelegenheit ein paar überflüssig gewordene Dinge entsorgen. Es kann aber auch bedeuten:
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           1. Aufbewahrungsbehälter besorgen (auch klassisch: vor dem Anfangen immer erstmal was kaufen müssen)
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           2. alle Sachen sortieren und in sich hineinspüren, ob sie jeweils Glück verströmen
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           3. Schilder für Behälter ausdrucken (Drucker ist garantiert leer: Druckerpatronen kaufen)
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           4. Freunde fragen, was sie gebrauchen können von dem Schmarrn der weg soll
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           5. Die (erwachsenen) Söhne fragen, ob sie die Wachsstifte vom Kindergarten noch brauchen
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           4. Sachen auf eBay verkaufen, sie dafür aussagekräftig fotografieren
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           5. Sachen zum Wertstoffhof bringen (Auto…?)
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           6. Die Kammer und den Schrank darin neu streichen. (Equipment…?)
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           7. Haken anbringen fürs Bügelbrett (Bohrmaschine…?)
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Liste kann endlos verlängert werden. Ich habe im März unsere Abstellkammer und das Bücherregal im Wohnzimmer aufgeräumt. Ich war eine Woche allein, und ich schwöre, ich habe im Grunde die ganze Woche gebraucht! Es ist mir unerklärlich, wie in einem 8 qm Raum und einer Regalwand Dinge aufbewahrt sein konnten, für deren alternative Distribution ich 8x Momox-Bücherverkauf, 4 Fahrten (Fahrrad!) zu Oxfam Charity, sowie 6 Kartons an der „Zu verschenken“-Ecke in meinem Viertel machen musste, zusätzlich zu den gefühlten 30 Gängen zu diversen Mülltonnen, und 10 Keller-Abladungen. Weder Regal noch Kammer wirken jetzt leer. Aber die Katharsis war sehr real. Irgendwann war auch klar: Ich kann jetzt noch zwei Wochen rummachen, Dinge auf Kleinanzeigen verkaufen, das kaputte Regal in der Kammer durch ein neues ersetzten, damit ich mehr Zeugs unterbringe, aber die schiere Masse an Dingen, und der Zeitraum, aus dem sie stammten (20 Jahre!!) haben mir, der Minimalistin (haha) mehr als deutlich gemacht: Nix. Weg. Raus. Over. Allein mein Umweltbewusstsein hat mich davon abgehalten, wirklich alles in die Tonne zu kloppen. 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Prioritäten setzen heißt also oft: Mach das, was zu tun ist, mach das so gut wie möglich, aber reiß dir nicht beide Beine aus. Fünf grade sein lassen. Passt!
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Viele Punkte auf der To-Do-Liste landen eh nur da drauf, weil man sich selbst das Gefühl geben will, man ist busy, und man hat echt wichtige Dinge zu tun, man hat einen Plan, und der ist fixiert. Und dann stehen da wochenlang Sachen im Kalender auf den diversen Listen, und diese werden langsam zu Listen von Dingen, die man niemals tun wird. Die gute Nachricht ist: Man kann nicht nur Erledigtes abhaken, man kann auch Unerledigtes streichen. Wenn man das Verschieben in den Griff bekommen möchte, sollte man also erstmal die Listen radikal zusammenstreichen, und bei den Punkten, die bleiben, den Umfang der Tätigkeit überdenken, ohne die eigenen Standards zu senken. Die wahren Standards, nicht die Fiktiven. Da geht’s dann allerspätestens ans Eingemachte, denn viele Sachen stehen auf den Listen, weil unser Ego sie draufgeschrieben hat. Und wir haben uns nicht getraut zu intervenieren. Ich musste zwei Sachen auf einer Liste streichen, mein Ego ist immer noch sauer: 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Im Tanzprojekt 10er Karte kaufen" (gemeint ist eigentlich: wieder richtig ins Ballett einsteigen, wie mit 25) und „mein Niederländisch und Französisch wieder fließend machen“. Man könnte das auch übersetzen mit: Die Zeit 25 Jahre zurückdrehen. Da das bekanntermassen nicht möglich ist: Streichen!
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Es gibt allerdings einen Kompromiss: Ich gebe den Töchtern einer Freundin Ballettunterricht, was mein Leben wirklich bereichert und mich fordert, aber meine Bänder nicht noch mehr zerstört. Und ich lese Simenon, dessen Bücher ich gewissermaßen auswendig kenne, im Original und folge auf Instagram einem Account, das Idiome des Niederländischen erklärt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Und jetzt komme ich zum ursprünglichen Impuls, dieses Thema zu bearbeiten, über das bestimmt schon zahlreiche kluge oder unbrauchbare Bücher geschrieben wurden. Ich habe gemerkt, dass es eine Diskrepanz gibt zwischen meinem Umgang mit Dingen, die ich erledigen möchte und erledigen sollte, und Aktivitäten, die ich nicht wirklich tun will, ja nicht einmal tun muss, aber für die ich dennoch in verschwenderischer Weise Zeit aufbringe. Ihr ahnt es: Statt einen Text zu schreiben, der mir am Herzen liegt, daddel ich in meinem Handy rum. Oder ich lese im Netz irgendwas, auf das ich gekommen bin, als ich einen Begriff gegoogelt habe, der wichtig für meinen Text ist, den ich dann wieder nicht anfange, weil die Internetsucht (oder mein Gründlichkeit beim recherchieren?) mich auf Abwege geführt hat. In kürzester Zeit bringen die Apps und die Geräte und die jeweils inhärente Dynamik und die Suchtzustände in mir mich dazu, nicht das zu tun, was ich tun will. Manchmal will ich kurz nach dem Wetter für den Nachmittag gucken, weil ich dann radln will, und eine Dreiviertelstunde später habe ich NICHT die Wetter-App geöffnet, sondern einen längeren Chat auf WhatsApp geführt, auf Instagram Kommentare geliked und drei "dircekte Nachrichten" ebendort beantwortet von Leuten, die ich gar nicht kenne, durch mein Newsfeed gescrollt und mich richtig darüber aufgeregt, dass dort die Ratio zwischen Posts, die ich abonniert habe, und allem, was Instagram mir an Werbung und "Vorschlägen" einspielt, mittlerweile bei 1 zu 4 ist. Ich nehme mir deshalb vor, einen Text zu schreiben über Instagram und die Tücken und warum es sowas von vorbei ist, und mache mir dazu Notizen. Dann fällt mir ein, dass ich ja erstmal einen Text übers ewige Aufschieben schreiben wollte, und einen über meine Uroma, und noch einen über den Garten, in dem ich aufgewachsen bin, und dass es dafür eine Liste gibt, und dass ich eigentlich das Wetter checken wollte, um rauszufinden, welche Radkleidung ich gleich anziehen sollte. Inzwischen regnet es, Ich hätte easy meine 75 Minuten Radlrunde incl Morning-Swim geschafft, wenn ich einfach losgefahren wäre.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Was tun? Erstmal habe ich meine Apps auf's Minimum reduziert. Nützt kaum etwas, die Safari App kann man ja nicht löschen, und am Ende ist da alles drin. Der Recherche-Motor, bezeichnenderweise ja auch Suchmaschine genannt. Für den digitalen Tunnelblick reicht Safari vollkommen aus. Oder Fotos (übrigens, Punkt auf der Liste: „Fotos im Handy durchgehen und löschen“). Oder Apple Music.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich habe große Willenskraft, und wenn ich etwas wirklich will, dann schaffe ich das oft. Aber der Wille reicht hier nicht ganz. Ich schäme mich ein bisschen vor mir selber, und meiner Leserschaft, das zu sagen, echt. Aber ich weiß auch, dass etwas Peinliches einzugestehen manchmal heilsam ist, Hose runterlassen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Was
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            bei mir
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    
          wirklich funktioniert, ist das, was ich FRONTAL ANGEHEN nenne (das hilft mir auch, wenn ich ängstlich bin). Es gibt diese Gedankenblitze, die
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            wohl
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    
          das schlechte Gewissen schickt: Man ist mit etwas beschäftigt, zum Beispiel trinkt man am Montagmorgen Kaffee und liest die Emails von gestern und schreibt Nachrichten und schreibt eine Liste mit zu erledigenden Sachen. Und da kommt der Gedanke: „Ich wollte doch gestern Mama anrufen, naja, mach ich später…“. Nee, nix! Jetzt.Sofort.Anrufen.
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Danach geht es vielleicht so weiter:
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    
          Ins Bad, Zähne putzen, und du merkst, die Lampe mit dem guten Licht ist seit zwei Wochen immer noch nicht ausgewechselt, ergo siehst du aus wie 'ne 50 Jahre alte Eule, Zahnseide quillt aus dem Müll und der Spiegel ist versifft: SOFORT alle drei Sachen erledigen. Manchmal geht das aber auch so: Man macht den Schrank an einem sonnigen Samstag morgen auf, sucht diesen einen Rock….und findet den Stapel mit den Klamotten, die seit 2 Jahren auf ihre Reparatur warten, und der Stapel dahinter sollte an bestimmte Leute verschenkt werden, aber immer, wenn man die Leute gesehen hat, wurde es vergessen. Es kann gut sein, dass man beide Stapel besser einfach in die Altkleidersammlung stopft, oder vor die Tür stellt im Zu-Verschenken-Modus, oder sogar wegwirft. Versteht mich nicht falsch, mending is better than ending!! Aber irgendwann ist auch gut. Wie oft habe ich etwas (verzögert!) repariert, und es dann nie wieder angezogen. (Übrigens: Geliebte Schuhe mit Ledersohle niemals zum Schuster bringen wegen Gummisohlen. Man zieht sie nie wieder an. Es ruiniert ihr feeling!! Gleich von der Liste streichen. Schuhe tragen, bis sie auseinanderfallen, wegwerfen.)
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Natürlich kommen einem manche lästigen Dinge von der To-Do-Liste in den Sinn, wenn man sie garantiert nicht ad hoc erledigen kann. Ich vermute, das ist auch das Ego, das einem sagen will, was man für eine Niete mit ineffizientem Looser-Zeitmanagement ist. Oder vielleicht entspricht es dem eigenen Naturell, Dinge erstmal liegen zu lassen. Das sind dann auch schonmal Sachen, die man ganz streichen kann. Ich habe die Theorie, dass wir gar nicht wollen, dass nichts auf der Liste steht. Die Liste ist eine Art symbolisches Gegengewicht zum sinnlosen Rumdaddeln, Abhängen, Binge-Watchen und anderen Dingen, die man tut, aber lieber lassen würde. Was hatte ein Mensch im Mittelalter wohl auf der Liste? Er könnte vermutlich gar nicht schreiben. Im 19.Jahrhundert? Keine Zeit für Listen, muss arbeiten, essen machen, Wäsche waschen, die Pferde striegeln. So, und jetzt kommt‘s:
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Rituale
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            sind das wahre Gegengift zum Verschieben, jedenfalls für mich. „Text über Rituale schreiben“: ist notiert.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           *Prokrastination ist auch eine pathologische Störung. In dem Sinne verwende ich das Wort nicht. Der Duden sagt: "Prokrastination: das Verschieben, Aufschieben von anstehenden Aufgaben, Tätigkeiten". Das ist hier gemeint.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 31 May 2022 16:09:14 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Der einfache Laden</title>
      <link>https://www.tanjapolconsulting.com/mai</link>
      <description>Mein idealer Laden. Eine Utopie. Erstmalig geschrieben von Hand.</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Der einfache Laden ist ein kleiner Raum mit Theke und Regalen und mit noch einem kleinen Raum dahinter. Man kann von draußen reinsehen. Das Angebot ist nicht immer gleich. Es gibt vor allem Dinge des täglichen Bedarfs. Aber es gibt nicht alles in zig Varianten. Was es gibt, ist gute Qualität. Nein, nicht "Regierungskäse", sondern das, was die Inhaberin gerade als gut erachtet. Da es ein einfacher Laden ist, hat er vor allem Dinge für ein einfaches Leben im Angebot. Grundlegendes, Hochwertiges. Grundnahrungsmittel. Reis, Mehl, Obst und Gemüse, Salz, Öl, Kaffee, Milch und eine Alternative. Dann Zahnpasta und eine Seife, ein Waschmittel, Toilettenpapier.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Es gibt eine kleine Auswahl Brot und einen selbstgebackenen Kuchen. Wenn der weg ist, ist er weg. Es gibt bis 12h Espresso und heisse Milch, aber nur "für hier", es gibt einen Preis, die Mischung macht man selber. Ab 12h gibt es ein selbstgekochtes Essen. Auch zum mitnehmen, aber auch nur im eigenen Behälter. Wenn das Essen aufgegessen ist, ist es alle. Manchmal ist es um 14h aus, manchmal erst am abend. Das Essen ist moderne "Hausmannskost". Es gibt jeden Tag eine Liste, auf der steht, was drin ist. Manchmal ist es vegan, manchmal ist es frei von diesem oder jenem, aber das ist nicht reguliert. Es steht nicht im Internet, was es heute im einfachen Laden zu essen gibt. Der Einfache Laden ist überhaupt nicht im Internet und hat auch keine Google Rezensionen. Die Leute sehen den Laden, und wenn es ihnen dort gefällt, kommen sie wieder und erzählen ihren Bekannten davon. Wem es nicht gefällt, der kommt nicht wieder.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Die Einrichtung im Einfachen Laden ist gebraucht: vom Flohmarkt, eBay Kleinanzeigen, etc. Die Dinge sind schlicht und fast nie aus Plastik. Geschirr und Besteck sind aus dem Diakoniekaufhaus oder von den Emmaus-Brüdern. Aber alle Dinge sind auf ihre Art schön und von bester Qualität. Außer den Dingen des täglichen Grundbedarfs gibt es im Einfachen Laden auch ab und zu etwas besonderes, zum Beispiel ein paar Gläser Salzzitronen. Oder selbstgebackene Kekse. Oder eine Charge lokalen Honig oder Marmelade. Der Einfache Laden orientiert sich an den Jahreszeiten und ist regional ausgerichtet, was das Angebot angeht. Aber es gibt natürlich Tee aus Indien zum Beispiel. Der Einfache Laden macht alles undogmatisch im Rahmen des Bauchgefühls und des gesunden Menschenverstandes. Nur in Bezug auf Schönheit, Zweckmässigkeit und Einfachheit ist er
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           tendenziell
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            dogmatisch.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Momentan kann es den Einfachen Laden in einer westlichen Großstadt nicht geben, denn der Einfache Laden hat auch ein einfaches Budget. Er hat keine Angestellten, er ist ein Familienbetrieb, oder ein Einpersonenunternehmen. Sein Umsatz ist einfach. Er hat kein Kassensystem, er macht alles bar. Die Inhaber des Einfachen Ladens geben viel von ihrer Energie für ihr Geschäft, für eine aufwändige Buchhaltung ist keine Zeit, und eine Großstadtmiete kann der Einfache Laden auch nicht erwirtschaften. Er ist nur möglich als informell wirtschaftender Betrieb, auf Vertrauensbasis, staatlich unreguliert. Er gibt einen Mehrwert. Er macht nicht sehr reich an Geld, sondern er gibt Sinn und stiftet Gemeinschaft. Er nimmt niemandem etwas weg, er erzeugt wenig Müll, auch wenn er schließen müsste, hinterließe er vor allem Dinge, die es schon gab. Der (fiktive) Staat muss den einfachen Laden nicht ständig kontrollieren, denn er weiß, dass man mit so einem Laden nicht reich werden kann, und deshalb muss der Einfache Laden nicht täglich Kasse machen und permanent Zeugnis ablegen, er braucht keine Müll- oder Datenschutzgrundverordnung. Er arbeitet vertrauenswürdig und eigenverantwortlich. Weil er nicht kontrolliert werden muss, können Beamte sich um etwas anderes kümmern. Die Inhaber des Einfachen Ladens haben ein wahrhaftiges Arbeitsethos.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Manchmal hat der Einfache Laden zu. Manchmal hat er abends lange auf, manchmal nicht. Die Kunden wissen das, sie wissen auch, wo ein anderer Einfacher Laden ist, und laufen oder fahren dann da hin. Oder sie gehen mal in den nicht einfachen Supermarkt. Sie wissen, der Einfache Laden wird morgen wieder aufhaben, und weil sie dort gerne hingehen, werden sie wieder vorbeikommen. Ja, er ist ein bisschen wie der Tante-Emma-Laden, oder der 80er Jahre Bioladen. Ja, er hat auch etwas von einer Garküche. Natürlich gibt es Gründe, warum diese Art von Läden verschwunden sind. Sie waren unzeitgemäß, und seit ihrem Verschwinden (oder gleichzeitig damit, vielleicht sogar kausal damit zusammenhängend) sind die Regulatorien des Verkaufs von Waren und Essen so hochgefahren worden, dass in Kombination mit gestiegenen Mietpreisen einfache Läden nicht mehr eröffnet werden können, obwohl es vielleicht wieder mehr Menschen gibt, die sie schätzen würden. Galerien waren früher manchmal einfache Läden, auf gewisse Weise. Man hat ein Ladenlokal, das keiner wollte, und das deshalb sehr billig war, gemietet, ohne komplizierten, Jahrzehnte bindenden Geschäftsmietvertrag. Man hat den Raum dann mit Freunden weiß gestrichen, den Bodenbelag rausgerissen, und dann vielleicht mit denselben Freundinnen Ausstellungen gemacht. Manchmal war es auch eine Wohnung, es wurde nicht so streng kontrolliert, was da passierte. Am Ende des Tages und des Jahres gab es wenige Einnahmen und wenige Ausgaben, wenig Formalitäten und wenig Steuererklärung. Aber viel Mehrwert. Natürlich war da auch Potential zu wachsen. Es war eine Nische, ein ewiges, bewußtes Fliegen unter dem Radar. Es war "nachhaltig", weil man nichts verschwenden kann, wenn man einfach handelt. In einem einfachen Laden und einer einfachen Galerie macht jeder alles. Kochen, Bilder aufhängen, Klo putzen. Alles selber machen macht glücklich. Sich mit einem einfachen Budget um viele komplizierte Formalitäten zu kümmern macht unglücklich, und nimmt der Inhaberin des einfachen Ladens die Lebensenergie und die begrenzten Ressourcen, um überhaupt einen einfachen Laden zu machen. Die Ladner sind keine Kommunisten. Sie wollen Geld verdienen, investieren "and be left alone".
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich kenne ein paar einfache Läden, die im Hintergrund die komplizierten Formalitäten stemmen oder auch nicht, vielleicht, weil sie seit 20 Jahren unter dem Radar fliegen. Ich suche sie, wo auch immer ich bin. Ich sammle sie. Ich fühle mich dort gut. Ich radle weite Strecken, um dort einzukaufen, oder einen Kaffee zu trinken. Und vor allem: Um mit den Menschen zu sprechen. Das macht mich glücklich.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Thu, 24 Mar 2022 14:09:28 GMT</pubDate>
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