Versuch einer Beschreibung

Ich habe gerade die Terrasse unseres Hauses in Italien von Eidechsenscheiße befreit und eine rötlichen Schicht Saharasand mit Wasser entfernt, die sich durch einen nächtlichen Regen abgelagert hatte. Eine große Zinkgießkanne diente mir zum Verteilen des Wassers auf dem Boden, mit einem Besen habe ich die Sandschwaden, die sich immer wieder als ein Wellenmuster wie am Strand auf den Fliesen absetzte, weiter Richtung Abfluss geschoben. Die Sandschwaden waren hartnäckig, immer wieder bildeten sie diese bräunlichen Wellenlinien auf den rötlichen Fliesen. Zuerst hat es geregnet, was ich als angenehm kühlend und erfrischend empfand, dann hörte es auf, die Sonne kam ein bisschen raus, und es wurde unerträglich dampfig und heiß. Ein Wind wehte in mein längeres Sommerkleid, was ich dann hochbinden musste, damit die Wasserspritzer sich nicht sichtbar (in braun) auf der schwarzen Seide absetzen konnten. Ich weiß nicht, ob ich schwitzte, oder ob sich der Dampf auf meiner Haut als Feuchtigkeit niederschlug...es war ein ständiger Wechsel von zu heiß, zu kalt, die Luft steht und - ahhh der Wind kühlt und trocknet den Schweiß/das Spritzwasser/das Kondenswasser auf der Haut, ein äußerst körperliches Erlebnis, zumal ich ja ununterbrochen mit dem Besen schwungvoll fegte, es war wie simultan Sport machen und wellnessen. Meine nackten Füße wateten im Wasser, das kalt war, und die Fliesen kühlte, sodass ich bis zu den Knieen unterkühlt war und darüber wie beschrieben erhitzt. Es hat so Spaß gemacht, ich konnte gar nicht aufhören, wuuusch wieder `ne Kanne Wasser drauf, wisch-wisch-wisch...das Trommeln des harten Wasserstrahls in der Zinkkanne, beim Auffüllen, ein altes Geräusch, gaaanz alt, ich bin wieder ein Kind, „Kind!! Rutsch nicht aus!!“, ich bin im Garten von Omma und Oppa, ich prutsche mit Wasser, ich mach Matschepampe, mein ganzer Körper und alles, was ich bin, spielt und matscht und pampt im Garten. Es riecht nach Regen und Erde und moosiger Mauer, nassen Steinen und fauligen Blättern. Nach Matsch, Regentonne, Moder und Dunst. Die Gerüche sind in mir präsent als mehr als Geruch, als Bilder, aber noch mehr als Gefühlssituationen. Ich sehe in mir meine alten Innenwelten, zusammen mit vagen Spuren von Rauem, Perforiertem, Netzartigem, ja, rau, aber sanft rau. Das ist das Genaueste, was ich über meine olfaktorischen Bilder von nassen Aggregatzuständen im Außen sagen kann. Da versagt meine Sprache seltsamerweise. Das Irre ist: Es ist eine besondere Art der Erinnerung. Es ist nicht denkende Erinnerung. Ich bin da, im Garten, jede Zelle, jede Faser, jede Schicht meiner Seele, jedes Nervenende irgendwo in mir erinnert sich. Es ist grandios. Ich bin eine Zeitmaschine, ich kann beamen, zumindest mich selber, wenn jemand auf die Terrasse käme, sähe er mich vielleicht gar nicht, ich bin in Köln, in der Kleingartenkolonie Flügelrad e.V. Ich muss da die Zinkkanne, die ich nur um Haupteslänge überrage, von der Wasserstelle den Weg rauftragen, zum Matschloch! „Kind, dat is zo schwer för Disch! Lass dat! Komm essen!“
(Das Foto zeigt den Blick von unserem Gartentörchen den Weg runter zum Eingang der Gartenkolonie, von mir gemacht am 2.September 2020.)